Die Idee

Alte Bahnmeisterei

Seit mehr als 100 Jahren wurde in der Bahnmeisterei gearbeitet und gelebt. Jetzt ist dort ein temporärer Ort für Kunst entstanden. Besuchen Sie die erste Ausstellung mit Arbeiten von Daniel Hermann!

Impressionen aus den Räumen

Daniel Hermann über die 1. Ausstellung in der Bahnmeisterei

Das Interview fand im September 2020 statt.

Wie bist Du zur Kunst gekommen und seit wann malst Du?

Ich habe mich eigentlich schon immer für Kunst interessiert. Und ich hatte in meinem Leben auch immer wieder Phasen, in denen ich selbst als Kunstschaffender aktiv war, sei es in der Schulzeit, während der Ausbildung und natürlich auch während dem Studium.

Nachdem meine Kinder aus dem Haus waren und ich wieder mehr Zeit für mich hatte bin ich im Jahr 2016 nach Pantenburg in die Eifel gezogen. Da hat mich dann die Lust an der Malerei mal wieder gepackt.
Wenn ich nicht in die Eifel gezogen wäre, dann wären diese Bilder nicht entstanden.

Ich habe versucht, nach einer etwa 25 -jährigen Malpause, da wieder anzuknüpfen, wo ich damals nach dem Studium aufgehört hatte. Die ersten Versuche waren schrecklich und ernüchternd. Aber ich hatte eine Vision, eine Vorstellung von dem, was ich machen, bzw. sehen wollte.
So habe ich drei Jahre lang gemalt (bzw. gedruckt), ohne mich an irgendeine Kunstrichtung oder einen speziellen Künstler anzulehnen. OK, ich gebe zu, dass mich eine Ausstellung von Gerhard Richter in Köln sehr beeindruckt hat. Aber mir war es wichtig, die Sache aus sich selbst heraus zu entwickeln. Ein Bild musste an das letzte anknüpfen und möglicherweise besser als dieses sein.
Bei meiner Technik malen sich die Bilder zum Teil selbst. Der Zufall spielt also mit eine Rolle. Logisch, dass ich bei dieser Reise, äh Weise, auch ziemlich viel Ausschuss produziert habe. Bilder die nichts geworden sind werden von mir zu Postkarten verarbeitet. Auf den Postkarten sieht man dann nur Details, was wiederum seinen Reiz hat.

Erst nachdem die Bilder entstanden waren habe ich mich schlau gemacht, was es denn eigentlich ist, das ich da gemacht habe. Das war auch wieder ernüchternd. (lacht) Zum Glück hat meine ältere Schwester, eine studierte Berufskünstlerin, mich immer wieder ermutigt weiter zu machen.

Ja was ist es denn jetzt eigentlich, das Du gemacht hast?

So richtig weiß ich das immer noch nicht. Es ist abstrakt und gegenstandslos. Die Eifel spielt eine gewisse Rolle in manchen Bildern. Konkrete Aussagen machen die Bilder aber nicht. Sie sollen dem Betrachter die Möglichkeit geben seine Fantasie spielen zu lassen.
Die Technik ist ziemlich einzigartig. Es sind teilweise Monoprints, bzw. Duo- oder Triple –Prints. Es gibt also „Geschwisterbilder“, wie ich sie getauft habe.
Es geht um die Freude am Entstehenlassen der Bilder.
Es ist eine Art Actionpainting. Und es ist experimentelles Arbeiten.
Entweder sie werden was oder aber auch nicht. Korrekturen im Nachhinein sind eigentlich nicht möglich.
Realistisch malen oder zeichnen kann ich nicht und will ich auch gar nicht. Ich bin ein Freund der abstrakten Kunst.

Irgendwann habe ich dann angefangen mit der Tuschefeder in meine Bilder reinzugehen, was diesen ganz gut getan hat. Das war das nächste Level. Die Bilder sind viel spannender geworden.

Kunst lässt sich schwer beurteilen. Wem es gefällt, für den ist es vielleicht Kunst. Für einen Anderen „kann das weg“. Ich bin ja auch kein Künstler, sondern Innenarchitekt, jedenfalls von Beruf.

Wie kommt es zu dem Format und der Größe Deiner Bilder?

DIN A 2, also 50 mal 70 cm entspricht ganz gut dem Radius des menschlichen Armes. Ich muss mich nicht verrenken beim Abdrucken und auch nicht beim Malen.
Und ich male nicht für das Museum, sondern für Wohnungen. Wer hat schon Platz für irgendwelche riesigen Schinken?
Allerdings muss ich zugeben, dass ich DIN A2 schon auch ein bisschen unsexy finde und dass ich auch gerne größere Bilder machen möchte.
Aber es liegt auch ganz einfach daran, dass ich kein Atelier habe, sondern auf unserem großen Esstisch male. Dadurch habe ich meine Grenzen, was die Größe der Bilder betrifft. Das mit dem Atelier kann ja vielleicht irgendwann noch was werden. Wer weiß?

Viele Bilder in der gleichen Größe zu haben hat für eine Ausstellung den Vorteil, dass ich wechseln kann. Ich hänge ein Bild ab, wenn es mich nervt und ein anderes in der selben Größe einfach wieder auf. Zack Bumm. Das geht ganz einfach.

Und warum jetzt eigentlich das Galerie –Projekt?

Wenn man so viele Bilder gemacht hat wie ich hat man natürlich irgendwann das Interesse, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Gute Bilder gehören an die Wand und nicht in die Schublade, finde ich.
Ich freue mich über Jeden, dem ich mit einem Bild eine Freude machen kann. Das macht mich glücklich. Und es macht mich glücklich, wenn ich selbst ein gutes Bild von mir irgendwo hängen sehe. Allerdings schwankt das sehr. Mal gefallen sie mir besser und dann wieder weniger. (AiWaiWai würde wahrscheinlich zu den Bildern sagen: „An die Wand gepresste Kinderkacke“ oder so was.)

Die Ausstellung in den eigenen Räumen machen zu können ist ein Glücksfall. Ich bin sehr gespannt. Allerdings wird sich erst noch rausstellen, in wie weit die alte Bahnmeisterei als Galerie überhaupt geeignet ist. Es gibt nicht besonders viel Ausstellungsfläche und die Beleuchtung der Bilder ist wegen der vielen Fenster schwierig. Aber es ist ein interessantes Projekt in einer interessanten Location.

Was wird es nach Deiner noch für weitere Ausstellungen geben?

Das Galerie–Projekt ist ein PopUp–Projekt, also zeitlich begrenzt angelegt. Wie lange es konkret dauern wird, weiß ich noch nicht.
Das Gebäude wird sicherlich später mal wieder zu Wohnzwecken genutzt.
Nach meiner Ausstellung soll es eine Ausstellung mit übermalten Fotografien geben.

Was sonst noch kommt? Ich würde gerne irgendwelchen Newcomern die Chance geben, auszustellen. Bei Interesse bitte melden!
Für bereits etablierte, hochpreisige Künstler kommt die Bahnmeisterei – Galerie eher nicht in Frage.

Wenn wir schon beim Thema Preisigkeit sind: Was kosten Deine Bilder und wie wird die Galerie finanziert?

Ich möchte mit meinen Mitteln gerne, gerade jetzt in Krisenzeiten, die Kulturszene unterstützen.

Meine Einzelbilder kosten 150,- Euro pro Stück, ein Zweier kostet also 300,- und die Dreier 450,- Euro. Ich denke, dass das angemessen ist. Die 2017er kosten 100,- Euro.

Aber, und jetzt kommt’s: Ich behalte pro verkauftem Bild nur 50,- Euro selbst. (50,- Euro entspricht etwa den Kosten die ich für ein Bild habe, inklusive Rahmen.) Der Rest geht an das Kulturzentrum TUFA in Trier. Meine Ausstellung ist also für mich ein „Non profit- /Benefiz -Projekt“.
Jeder der ein Bild von mir kauft, tut noch was Gutes für die Kultur.

Dazu kommt noch, dass die nach mir ausstellenden Künstler für die Galerie keine Miete zahlen müssen, also die Räumlichkeiten kostenfrei nutzen können.

Es ist mir, wie gesagt, ein Anliegen, die Kulturszene und die Künstler zu unterstützen.

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